Getränke an Weihnachten müssen nicht immer alkoholisch sein

Es gibt diesen einen Moment an Weihnachten, den ich besonders liebe: Draußen ist es längst dunkel, drinnen brennen die Kerzen, und irgendjemand fragt in die Runde: „Was trinkst du?” Früher war die Antwort fast automatisch ein Glühwein oder ein Glas Sekt. Heute halte ich öfter inne, bevor ich antworte – nicht, weil ich Alkohol grundsätzlich ablehne, sondern weil ich gemerkt habe, wie viel Freude in den Getränken steckt, die ich früher als „die Notlösung für Autofahrer und Schwangere” abgetan habe. Dabei sind sie alles andere als eine Notlösung. Sie sind eine eigene, wunderbare Welt für sich.

## Ein Umdenken, das sich lohnt

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Weihnachtsfeste, bei denen ich bewusst zu alkoholfreien Getränken gegriffen habe. Es fühlte sich fast wie ein kleiner Verzicht an, so als würde mir etwas fehlen. Doch je öfter ich es ausprobiert habe, desto klarer wurde mir: Es fehlte mir nichts. Im Gegenteil – ich habe etwas dazugewonnen. Einen klaren Kopf am nächsten Morgen, mehr Energie für die Gespräche am Kamin, und die Fähigkeit, mich tatsächlich an jedes Detail des Abends zu erinnern. Für mich als Künstlerin ist das gar nicht so unwichtig, denn manche der schönsten Ideen für ein neues Bild oder eine neue Keramikform entstehen genau in diesen ruhigen, klaren Momenten zwischen den Jahren.

Es geht mir dabei nicht um Verzicht oder Verbot. Es geht darum, dass ein Getränk an Weihnachten vor allem eines sein sollte: ein kleines Fest für die Sinne. Und dafür braucht es keinen Alkohol – dafür braucht es Geschmack, Wärme, Farbe und ein bisschen Liebe zum Detail. Genau das ist es, was ich mit den folgenden Rezepten und Ideen mit euch teilen möchte.

## Der alkoholfreie Glühwein – ein Klassiker neu gedacht

Beginnen wir mit dem Getränk, das für viele untrennbar mit Weihnachten verbunden ist: dem Glühwein. Die gute Nachricht ist, dass sich ein wunderbar würziger, wärmender Glühwein auch komplett ohne Wein zaubern lässt. Die Basis bildet bei mir meist ein kräftiger, dunkler Traubensaft – am liebsten aus roten Trauben, weil er von der Farbe und der Süße her dem klassischen Rotwein am nächsten kommt. Dazu kommen die Gewürze, die die eigentliche Seele des Getränks ausmachen: Zimtstangen, ein paar Gewürznelken, eine aufgeschnittene Vanilleschote, etwas Sternanis und ein paar Scheiben Orange mit Schale.

Das Ganze lasse ich langsam und bei niedriger Hitze köcheln – niemals kochen, denn dann verliert der Saft seine Frische und wird schnell bitter. Nach etwa zwanzig Minuten ziehen lassen ist der Glühwein fertig. Wer es etwas komplexer mag, gibt einen Spritzer frisch gepressten Zitronensaft dazu, das bringt eine schöne Frische in die Süße. Und für alle, die den kleinen „Kick” der Wärme lieben, empfehle ich ein winziges Stück frischen Ingwer, mit hineingegeben – er sorgt für eine angenehme Schärfe im Abgang, ganz ohne Prozente.

## Winterpunsch mit Beeren und Zitrusfrüchten

Ein weiteres Getränk, das bei uns zu Weihnachten nicht fehlen darf, ist ein bunter Winterpunsch. Hier kann man wunderbar experimentieren, je nachdem, was gerade an Obst im Haus ist. Meine Grundmischung besteht aus Apfelsaft, etwas Cranberrysaft für die schöne rote Farbe und einen Hauch Säure, sowie frisch gepresstem Orangensaft. Dazu kommen Gewürze wie Zimt, Kardamomkapseln und eine Prise Muskatnuss.

Was diesen Punsch für mich besonders macht, ist die Optik: Ich gebe immer ein paar frische Cranberries und dünne Orangenscheiben mit hinein, die im Topf schwimmen und sich später wunderschön in den Gläsern machen. Als Künstlerin achte ich sehr auf solche kleinen visuellen Details – ein Getränk, das gut aussieht, schmeckt gefühlt gleich doppelt so gut. Serviert in klaren Gläsern, vielleicht mit einer Zimtstange als Rührstäbchen, wird aus dem Punsch fast schon ein kleines Kunstwerk auf dem Tisch.

## Heiße Schokolade – aber richtig

Es gibt kaum ein Getränk, das so viel Geborgenheit ausstrahlt wie eine gute heiße Schokolade. Und genau hier liegt oft das Problem: Viele Instant-Varianten aus der Tüte schmecken eher nach süßem Pulver als nach echter Schokolade. Dabei ist es gar nicht schwer, sich eine richtig gute heiße Schokolade selbst zu machen.

Ich schmelze dafür dunkle Kuvertüre langsam in warmer Milch – bei mir ist es meist eine Mischung aus Kuhmilch und etwas Sahne, für die extra cremige Note. Wichtig ist, dass man nicht zu viel Zucker zusätzlich verwendet, denn die Schokolade selbst bringt schon genug Süße mit. Eine Prise Salz rundet den Geschmack überraschend gut ab, ebenso wie ein kleiner Löffel Kakaopulver für mehr Tiefe. Wer mag, verfeinert die Trinkschokolade mit einem Spritzer Orangenaroma, ein wenig Zimt oder sogar einer winzigen Menge Chili, die für eine angenehme Wärme im Nachgeschmack sorgt, ganz ohne dass es scharf wird.

Getoppt wird das Ganze bei mir immer mit selbstgemachter Sahne, ein paar Schokoladenspänen und, wenn es besonders festlich sein soll, einem kleinen Marshmallow, das langsam in der Wärme zerschmilzt. Es ist dieses Getränk, das ich am liebsten in eine meiner eigenen handbemalten Tassen fülle – die Farben und Formen der Keramik verstärken für mich das Gefühl von Geborgenheit noch zusätzlich.

## Ingwer-Zitrus-Tee mit Honig

Für die ruhigeren Momente zwischen den Festtagen, wenn man sich nach etwas Leichtem und Wärmendem sehnt, ist ein Ingwer-Zitrus-Tee genau das Richtige. Ich schneide dafür frischen Ingwer in dünne Scheiben und übergieße ihn mit heißem Wasser, lasse ihn etwa zehn Minuten ziehen. Dazu kommt der Saft einer halben Zitrone und ein großzügiger Löffel Honig, am besten ein kräftiger Winterhonig, der von sich aus schon eine leicht würzige Note mitbringt.

Wer mag, gibt noch ein paar Scheiben frische Orange sowie eine Zimtstange mit hinein. Dieser Tee ist nicht nur wohltuend für Hals und Magen nach einem üppigen Weihnachtsessen, er duftet auch herrlich nach Winter, wenn er auf dem Tisch steht. Für mich ist er das perfekte Getränk für die stillen Stunden am Nachmittag, wenn draußen die Dämmerung hereinbricht und man sich mit einem guten Buch oder einfach den eigenen Gedanken zurückzieht.

## Alkoholfreier Punsch mit Granatapfel

Eine Variante, die bei uns in den letzten Jahren zum echten Favoriten geworden ist, ist ein Punsch mit Granatapfelsaft. Die tiefrote Farbe erinnert an funkelnde Weihnachtskugeln, und der Geschmack ist herrlich fruchtig-herb zugleich. Als Basis dient reiner Granatapfelsaft, den ich mit etwas Apfelsaft strecke, damit er nicht zu intensiv wird. Dazu kommen Gewürznelken, eine Zimtstange und ein paar Scheiben frischer Ingwer.

Serviert wird dieser Punsch bei mir am liebsten kalt oder lauwarm, garniert mit frischen Granatapfelkernen, die wie kleine Rubine im Glas schimmern. Es ist ein Getränk, das auf jedem Weihnachtstisch für Aufsehen sorgt, gerade weil es so ungewöhnlich und gleichzeitig so festlich aussieht.

## Cranberry-Ingwer-Spritz für die Festtagslaune

Manchmal möchte man an Weihnachten aber auch einfach etwas Prickelndes im Glas haben, ohne dass es Sekt oder Champagner sein muss. Für diese Momente habe ich mir einen Cranberry-Ingwer-Spritz ausgedacht: Cranberrysaft, ein Schuss frisch gepresster Limettensaft und aufgefüllt mit kaltem Ingwer-Ale oder alkoholfreiem Ginger Beer. Das Ganze wird auf Eis serviert, garniert mit ein paar frischen Cranberries und einer Limettenscheibe.

Dieses Getränk hat für mich genau die richtige Balance zwischen festlich und erfrischend. Es sieht in einem hohen Glas mit viel Eis besonders elegant aus und eignet sich hervorragend als Begrüßungsgetränk, wenn die Gäste am Weihnachtsabend eintreffen. Niemand muss dabei das Gefühl haben, etwas zu verpassen – im Gegenteil, oft sind es genau diese ungewöhnlichen, liebevoll zusammengestellten alkoholfreien Kreationen, die im Gespräch bleiben.

## Warum mir diese Getränke so wichtig geworden sind

Wenn ich zurückblicke, merke ich, dass sich mein Verhältnis zu Weihnachtsgetränken in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Früher stand der Alkohol fast automatisch im Mittelpunkt, weil es „dazugehörte”. Heute geht es mir viel mehr um das Ritual selbst: das langsame Köcheln der Gewürze auf dem Herd, der Duft, der sich im ganzen Haus ausbreitet, die Farben, die in einem Glas oder einer Tasse zusammenkommen. Es ist ein bisschen wie beim Malen oder beim Arbeiten mit Ton – man lässt sich von den Zutaten leiten, probiert, verfeinert, und am Ende entsteht etwas, das nicht nur schmeckt, sondern auch Freude macht, es anzuschauen.

Gerade an Weihnachten, wenn man oft mehrere Tage hintereinander zusammen isst und feiert, ist es eine echte Wohltat, nicht jeden Abend mit einem schweren Kopf oder einem unruhigen Magen aufzuwachen. Die Reue, von der man manchmal spricht, wenn der Silvesterkater am nächsten Morgen zuschlägt, kennt man mit diesen Getränken einfach nicht. Man kann genießen, ohne am nächsten Tag etwas dafür „bezahlen” zu müssen – und das ist, gerade in der besinnlichsten Zeit des Jahres, ein Geschenk, das man sich selbst machen kann.

## Ein paar Tipps für die perfekte alkoholfreie Getränkeauswahl

Wer sich in diesem Jahr an ein alkoholfreies Weihnachtsgetränke-Menü herantasten möchte, dem gebe ich gerne ein paar kleine Anregungen mit auf den Weg. Zunächst lohnt es sich, für mindestens zwei bis drei verschiedene Getränke zu sorgen, damit für jede Stimmung etwas dabei ist – etwas Warmes für die kalten Stunden am Fenster, etwas Prickelndes für den Sektempfang, und vielleicht etwas Süßes für die Kinder und alle, die es gerne unkompliziert mögen.

Auch die Optik spielt eine große Rolle. Ein schönes Glas, eine hübsche Garnitur aus Zitrusscheiben oder Beeren, eine Prise Zimt oben drauf – all das macht aus einem einfachen Getränk etwas Besonderes. Gerade als jemand, der sich beruflich viel mit Farben und Formen beschäftigt, kann ich nur betonen, wie sehr das Auge beim Genießen mitisst und mittrinkt.

Und schließlich: Traut euch, zu experimentieren. Nicht jedes Rezept muss auf Anhieb perfekt gelingen. Vielleicht braucht der Punsch noch etwas mehr Süße, vielleicht der Tee noch eine Prise mehr Ingwer. Genau wie beim Malen oder beim Formen von Ton ist es dieser intuitive, spielerische Umgang mit den Zutaten, der am Ende zu den schönsten Ergebnissen führt.

## Ein Weihnachtsfest voller Genuss – ganz ohne Reue

Am Ende geht es an Weihnachten doch um das Zusammensein, um die Gespräche, das Lachen, die stillen Momente zwischen den Feiertagen. Ob im Glas nun Alkohol ist oder nicht, sollte dabei zur Nebensache werden. Was zählt, ist die Liebe, mit der ein Getränk zubereitet wird, und die Freude, die es beim Trinken bereitet.

Ich lade euch herzlich ein, in diesem Jahr ein wenig mit diesen alkoholfreien Rezepten zu experimentieren. Vielleicht entdeckt ihr, so wie ich, dass ein wärmender Winterpunsch, eine cremige heiße Schokolade oder ein spritziger Cranberry-Drink nicht die zweite Wahl sind, sondern eine wunderbare, ganz eigene Art, Weihnachten zu genießen – bewusst, geschmackvoll und ganz ohne die Reue am nächsten Morgen.

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