Wärme zum Trinken: Heiße Getränke für die kalte Jahreszeit – mit und ohne Alkohol

Es gibt diesen Moment im Herbst, den ich jedes Jahr aufs Neue liebe. Draußen wird es früher dunkel, der Nebel hängt über den Feldern, die Finger sind kalt, und irgendwo in der Küche beginnt es zu duften: nach Orangenschale, nach Zimt, nach Nelken und Apfel. Dann weiß ich: Die Zeit der heißen Tassen ist da.

Für mich sind heiße Getränke weit mehr als etwas, das uns von innen wärmt. Sie sind kleine Rituale. Eine Tasse in beiden Händen, ein Wollsocken-Abend, ein Gespräch, das ein bisschen länger dauert als geplant. Genau das möchte ich dir heute schenken: eine bunte Sammlung meiner liebsten Wintergetränke. Mit Alkohol, ohne Alkohol, mit Früchten, mit Kräutern, mit Schokolade und natürlich auch mit einem Schuss Eierlikör. Für dich allein, für deine Familie, für Freundinnen und Freunde, für den Besuch, der spontan vor der Tür steht.

Such dir einfach aus, worauf du Lust hast. Und vor allem: Probier aus, wandle ab, folge deiner Nase. Keines dieser Rezepte muss auf den Löffel genau stimmen. Wie beim Malen gilt auch hier: Intuition schlägt Perfektion.

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1. Der Klassiker: Glühwein, rot und weiß

Ohne ihn geht es nicht. Glühwein riecht nach Weihnachtsmarkt, nach roten Nasen und nach dem Lachen von Menschen, die man mag. Aber selbst gemacht schmeckt er noch einmal ganz anders als aus dem Becher am Stand.

Für etwa 4 Tassen:

– 1 Flasche trockener Rotwein (ein einfacher, fruchtiger Tropfen reicht völlig)

– 1 unbehandelte Orange, in Scheiben

– 2 Zimtstangen

– 3–4 Gewürznelken

– 1 Sternanis

– 2–3 Esslöffel Honig oder Zucker, je nach Geschmack

Wein, Orangenscheiben und Gewürze in einen Topf geben und langsam erhitzen. **Wichtig:** Der Wein darf nie kochen, sonst verfliegt der Alkohol und der Geschmack wird bitter. Es sollte nur leise dampfen. Etwa 20 Minuten ziehen lassen, mit Honig abschmecken, abseihen oder die Gewürze einfach in der Tasse lassen.

Meine Variante für alle, die es heller mögen: weißer Glühwein. Nimm einen halbtrockenen Weißwein, dazu Apfelscheiben, ein paar Streifen Zitronenschale, Vanilleschote, Ingwer und Kardamom. Er schmeckt zarter, fast ein bisschen blumig, und passt wunderbar zu einem langen Nachmittag mit Freundinnen.

Mein Tipp: Ein Schuss Amaretto oder Orangenlikör macht beide Varianten zu etwas ganz Besonderem.

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2. Apfelpunsch und Kinderpunsch: Wärme ohne Alkohol

Wenn Kinder, Nichten, Neffen oder Enkel zu Besuch sind, darf niemand mit leeren Händen dastehen. Außerdem gibt es immer Menschen, die einfach keinen Alkohol möchten oder dürfen, und die verdienen genauso eine Tasse, die nach Feiertag schmeckt.

Für etwa 4 Tassen:

– 1 Liter naturtrüber Apfelsaft

– 1 Tasse roter Traubensaft oder Kirschsaft für die schöne Farbe

– 1 Zimtstange

– 3 Nelken

– 1 Sternanis

– Saft und Schale einer halben Orange

– 1 Esslöffel Honig, wenn du es süßer magst

Alles zusammen langsam erhitzen und eine Viertelstunde ziehen lassen. Fertig. Der Duft allein lockt garantiert alle in die Küche.

Zum Verfeinern: Ein Spritzer Zitronensaft bringt Frische, ein paar Kirschen aus dem Glas oder ein paar Granatapfelkerne in der Tasse sehen wunderschön aus. Für Teenager, die sich schon erwachsen fühlen, serviere ich den Punsch gern in einem schönen Glas mit Orangenscheibe. Das macht gleich was her.

3. Heiße Schokolade: Für Seele und Sofa

Hier werde ich schwach. Eine richtig gute heiße Schokolade ist für mich der Inbegriff von Geborgenheit. Und damit meine ich nicht Pulver aus der Tüte, sondern echte Schokolade, langsam geschmolzen.

Die Basis für 2 große Tassen:

– 400 ml Milch (oder Hafer- oder Mandelmilch, die schmeckt auch richtig gut)

– 80–100 g gute Zartbitter- oder Vollmilchschokolade, grob gehackt

– 1 Prise Salz

– 1 Teelöffel Zucker oder Ahornsirup, falls nötig

Milch erwärmen, Schokolade einrühren und mit dem Schneebesen glatt rühren, bis alles cremig ist. Die Prise Salz hebt die Schokolade auf eine neue Stufe, probier es aus.

Ohne Alkohol, aber voller Fantasie:

– Orangen-Schokolade: ein Streifen Orangenschale mitziehen lassen

– Chili-Schokolade: eine winzige Prise Chili oder Cayennepfeffer für ein warmes Kribbeln

– Pfefferminz-Schokolade: ein paar frische Minzblätter oder ein Tropfen Pfefferminzextrakt

– Weiße Schokolade mit Vanille und Kardamom: zart und sehr besonders

Mit Alkohol, für die Erwachsenen:

– Mit Rum: ein Schuss dunkler Rum passt perfekt zur Zartbitterschokolade

– Mit Amaretto: schmeckt wie flüssiges Marzipan

– Mit Baileys oder Haselnusslikör: der Dessert-Traum für Frostabende

Obendrauf kommt Sahne, Marshmallows, Kakaopulver oder geraspelte Schokolade. Ich lasse meistens alles gleichzeitig zu und stelle die Toppings in kleinen Schälchen auf den Tisch, damit jeder sich seine eigene Tasse gestalten kann. Das ist besonders mit Kindern ein Fest.

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4. Warmer Eierlikör: Ein bisschen Kindheit in der Tasse

Eierlikör gehört für mich zu den Dingen, die nach Großmutters Küche schmecken. Cremig, süß, ein bisschen altmodisch, und gerade deshalb so liebenswert. Und er ist viel vielseitiger, als man denkt.

Heißer Eierlikör-Kakao (für 1 Tasse):

Eine Tasse heiße Milch mit einem Teelöffel Kakao verrühren, dann zwei bis drei Esslöffel Eierlikör einrühren. Mit einem Sahnehäubchen und etwas Zimt servieren.

Eierlikör-Punsch mit Vanille:

Milch mit einer aufgeschnittenen Vanilleschote erwärmen, ein Stück Orangenschale dazugeben, dann großzügig Eierlikör einrühren und nicht mehr kochen lassen. Das schmeckt wie flüssiges Vanilleeis in warm.

Heißer Eierlikör mit Kaffee:

Ein starker Kaffee, ein kleiner Schuss Eierlikör, ein Klecks Sahne. Dazu ein Stück Gebäck. Mehr braucht ein Sonntagnachmittag nicht.

Mein Tipp: Wenn du Eierlikör selbst machst oder von einer guten Bekannten geschenkt bekommen hast, ist das ohnehin das Beste. Bei uns in der Familie gibt es immer jemanden, der „das Rezept“ hat und es streng hütet. Jede Familie hat ihre eigene Version, und jede ist die einzig wahre.

5. Hot Toddy und heiße Zitrone: Wenn die Nase kribbelt

Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung greife ich nicht zur Tablette, sondern zum Wasserkocher. Heiße Zitrone mit Honig und Ingwer ist ein Klassiker, der sich seit Generationen bewährt hat.

Heiße Zitrone mit Ingwer (alkoholfrei):

– 1 Zitrone, ausgepresst

– 1 daumengroßes Stück frischer Ingwer, in feinen Scheiben

– 1–2 Teelöffel Honig

– 300 ml heißes (nicht kochendes) Wasser

Ingwer mit heißem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, dann Zitronensaft und Honig einrühren. Der Honig sollte nicht ins kochende Wasser, damit seine guten Eigenschaften erhalten bleiben.

Der Hot Toddy für Erwachsene:

Dieselbe Basis, dazu ein Schuss Whisky oder Rum, eine Zimtstange und eine Nelke. Das Ganze ist ein schottischer Wintergruß, der von innen auftaut, wenn man vom Spaziergang durchgefroren zurückkommt. Er ist kein Wundermittel, aber er tut einfach gut. Und manchmal ist genau das die beste Medizin.

6. Kräutertees und Kräutermischungen: Die leise Wärme

Nicht alles muss süß, cremig oder alkoholisch sein. Manchmal braucht es einfach etwas Klares, Warmes, Beruhigendes. Dann liebe ich Kräuter.

Meine liebsten Kräuter für die kalte Jahreszeit:

– Thymian: wärmend, würzig, wunderbar mit Honig und Zitrone

– Salbei: kräftig und aromatisch, gut für den Hals

– Pfefferminze: frisch und klärend, auch nach einem schweren Essen

– Rosmarin: harzig und winterlich, ein Zweig im heißen Wasser duftet nach Wald

– Lavendel und Melisse: für abends, wenn der Tag zur Ruhe kommen soll

– Frischer Ingwer: kein Kraut im engeren Sinn, aber aus keiner Winterküche wegzudenken

Meine Lieblingsmischung für kalte Abende:

Ein kleiner Zweig Thymian, zwei Salbeiblätter, ein Stück Zitronenschale und ein Teelöffel Honig, mit heißem Wasser übergossen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Das schmeckt nach Garten, selbst wenn draußen alles unter Raureif liegt.

Wenn du einen eigenen Kräutergarten oder auch nur ein paar Töpfe auf der Fensterbank hast, trockne im Herbst einige Zweige und mische dir deine eigene Wintermischung. In ein schönes Glas gefüllt und mit einem handgeschriebenen Etikett versehen, ist sie außerdem ein wundervolles Mitbringsel für Freunde.

## 7. Chai und Goldene Milch: Gewürze aus fernen Ländern

Ich bin in meinem Leben viel gereist und habe in verschiedenen Kulturen gelebt. Eines habe ich dabei gelernt: Fast überall auf der Welt wärmen Menschen sich mit Gewürzen. Jede Region hat ihre Mischung, jede Familie ihr Geheimnis.

Würziger Chai (für 2 Tassen):

– 2 Beutel schwarzer Tee oder 2 Teelöffel loser Tee

– 300 ml Wasser und 300 ml Milch

– 3 Kardamomkapseln, leicht angedrückt

– 1 Zimtstange

– 3 Nelken

– 2 Scheiben frischer Ingwer

– einige schwarze Pfefferkörner

– Honig oder Zucker nach Geschmack

Alles zusammen aufkochen und mindestens zehn Minuten leise köcheln lassen, bis es herrlich duftet. Abseihen und heiß genießen. Wer mag, gibt einen Schuss Rum dazu, das schmeckt überraschend gut.

Goldene Milch (alkoholfrei und besonders sanft):

Eine Tasse Milch (oder Pflanzenmilch) mit einem halben Teelöffel Kurkuma, einer Prise schwarzem Pfeffer, Zimt, etwas Ingwer und Honig erwärmen. Der Pfeffer ist wichtig, er hilft dem Körper, das Kurkuma aufzunehmen. Die Farbe allein ist schon ein kleines Kunstwerk, ein warmes Sonnengelb im grauen Winter.

8. Irish Coffee und andere Leckereien für besondere Abende

Wenn Gäste kommen und der Abend etwas Festliches haben soll, darf es gern ein wenig mehr sein.

Irish Coffee:

In ein vorgewärmtes Glas kommen ein bis zwei Teelöffel braunen Zucker, ein Schuss irischer Whiskey und frisch gebrühter, heißer Kaffee. Gut umrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Dann kommt leicht angeschlagene Sahne vorsichtig über einen Löffelrücken obendrauf, so dass sie schwimmt. Nicht umrühren, der Kaffee wird durch die kühle Sahne getrunken. Ein kleines Stück Handwerk, das jedes Mal Freude macht.

Bratapfel-Punsch:

Zwei Bratäpfel (oder Äpfel mit Zimt und Honig im Ofen weich gebacken) mit Apfelsaft aufkochen, mit etwas Zimt und Vanille würzen und ein bis zwei Schuss Calvados oder Rum dazugeben. Der Duft nach Bratapfel erfüllt das ganze Haus.

Feuerzangenbowle:

Für den großen Abend mit vielen Menschen und einem guten alten Film. Roter Glühwein wird in einem Topf warm gehalten, darüber liegt ein Rumhut aus Zucker, der angezündet wird und langsam in den Wein tropft. Das ist Spektakel und Tradition in einem. Bitte mit Vorsicht und nie ohne einen aufmerksamen Blick auf die Flamme.

Die Tasse macht den Unterschied

Ein Gedanke zum Schluss, der mir als Künstlerin ganz besonders am Herzen liegt: Die Tasse, aus der du trinkst, verändert die Erfahrung. Eine handgetöpferte Tasse mit ihrer leicht unregelmäßigen Form, ihrer Glasur, die an einer Stelle dicker und an einer anderen dünner ist, liegt anders in der Hand. Sie wärmt auf eine Weise, die kein Serienbecher kann.

Seit ich selbst mit Keramik arbeite, schaue ich meine Tassen ganz anders an. Jede ist ein Unikat, und jede erzählt etwas vom Moment, in dem sie entstanden ist. Wenn du also Freunde oder Familie einlädst, lass jeden seine Tasse selbst aussuchen. Es entstehen die schönsten Gespräche darüber, warum jemand genau diese gewählt hat.

## Meine Tipps für gemütliche Abende mit deinen Liebsten

**Bereite vor, was du kannst.** Wenn der Punsch oder der Glühwein schon im Topf wartet, kannst du entspannt bei deinen Gästen sitzen, statt ständig in der Küche zu stehen.

**Stell alles zur Selbstbedienung bereit.** Eine kleine Station mit Tassen, Zimtstangen, Orangenscheiben, Sahne, Marshmallows, Honig und Likören macht jeden zum eigenen Barista. Besonders Kinder und Jugendliche lieben das.

**Denk an die Alkoholfreien.** Bereite immer mindestens eine Variante ohne Alkohol vor, die genauso schön aussieht und genauso gut schmeckt. Niemand soll sich mit einem „Ach, ich nehme nur Wasser“ zufrieden geben müssen.

**Trink bewusst.** Alkohol wärmt nur kurz und steigt schnell zu Kopf, vor allem in warmen Getränken. Genieße lieber eine Tasse langsam und mit Freude als drei hastig.

**Lass Musik laufen.** Kerzenlicht, eine Decke, leise Musik. Die Getränke sind nur ein Teil des Zaubers, die Atmosphäre macht den Rest.

**Und der wichtigste Tipp:** Nimm dir Zeit. Setz dich hin, halte die Tasse in beiden Händen und spüre die Wärme. Der Alltag kann einen Moment warten.

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## Zum Schluss

Die kalte Jahreszeit hat ihren eigenen Zauber, wenn wir uns darauf einlassen. Sie lädt uns ein, langsamer zu werden, zusammenzurücken und einander Wärme zu schenken. Manchmal reicht dafür schon eine dampfende Tasse und ein Mensch, der gegenübersitzt.

Ich hoffe, du findest in dieser Sammlung etwas, das dich anspricht. Vielleicht ist es der Klassiker, den du schon immer geliebt hast. Vielleicht probierst du zum ersten Mal Goldene Milch oder wagst dich an eine Feuerzangenbowle. Vielleicht backst du dazu ein paar Plätzchen, wer weiß.

Wichtig ist nur eines: Lass es dir gut gehen. Lade die Menschen ein, die dir etwas bedeuten. Koche, probiere, lache, verschütte ruhig mal was. Das ist kein Fehler, das ist Leben.

Und wenn du magst, erzähl mir, welches Getränk dein Favorit ist oder welches Familienrezept bei dir zu Hause gehütet wird wie ein Schatz. Ich freue mich auf deine Geschichten.

Wärmende Grüße aus meiner Küche und von Herzen eine gemütliche Zeit

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